| Klinikalltag » Unterwegs in Sachen Zukunft von Vivian J. Libertine |
29.09.10 @ 00:08:46 |
Ich habe mich ja nun bei unterschiedlchen Verhaltenstherapie-Ausbildungsinstituten beworben und beim ersten kam schon eine antwort. es ist in hamburg und ich könnte da eventuell nachrücken, weil bei denen eigentlich schon alle plätze besetzt sind aber zufällig gerade wieder einer frei wird! und das nachdem ich am samstag erst die bewerbung losgeschickt habe! bei dem institut hatte ich am wenigsten mit einer positiven antwort gerechnet!
nun muss ich mir noch ordentliche klamotten kaufen und da morgen anrufen um ein vorstellungsgespräch zu machen 
und in meinen daten zeichnet sich auch ein trend ab: zwar hat die anspannung keinen einfluss, aber die symptombelastung verändert die intraindividuelle varianz. das ist auch theoretisch gut erklärbar. nun hoffe ich, dass das ganze auch so bleibt.
das leben kann so schön sein
|
| link / |
|
|
| Beschäftigungstherapie » Rezept: Chili con Soja von Vivian J. Libertine |
26.09.10 @ 23:57:38 |
So es gibt mal wieder Veganes. Diesmal ist es nun keine außergewöhnliche Sache, sondern das Chili, was ich spontan am Freitag Abend gekocht habe.
Zutaten:
Zwiebeln (ich habe 5 kleine genommen. bei normaler Größe dürften es etwa 2 sein)
Knoblauch (3 Zehen)
Sojagranulat (75g)
Räuchertofu (hatte ich noch im Kühlschrank, wollte verbraucht werden und ich finde das leichte Räucheraroma macht sich ganz gut. müssten etwa 150g gewesen sein)
Kidneybohnen (2 Dosen)
Paprika (ich habe eine rote, eine gelbe und eine grüne genommen)
passierte Tomaten (1l)
eine Karotte
Gemüsebrühe
Salz
Sojasoße
Chili (getrocknet)
Tabasco
Kräuter (Oregano, Majoran)
Pflanzenöl
Zunächst: Eine Folge der aktuellen Serie der Wahl einschalten, Wasser kochen, Tofu zermanschen und mit Sojasoße zusammenrühren, Sojagranulat mit Gemüsebrühe übergießen, mit Chili und etwas Knoblauch würzen, eventuell noch ein Spritzer Sojasoße dazu. Dann ist der Vorspann vorbei (den kennen wir ja schon auswendig), jetzt kann man anfangen, Paprika, Karotte und Zwiebeln schneiden. Knoblauch würfeln.
Jetzt das Öl in einem großen Topf erhitzen, Knoblauch und Zwiebeln anbraten. Paprika und Karotte dazu geben, anbraten. Dann Tofu und Sojagranulat dazu geben, etwas anbraten (Tofu neigt zum anbrennen, also viel rühren). Dann Gemüsebrühe mit etwas Wasser dazu geben, Kidneybohnen rein, dann die Tomaten. Jetzt kann man das Ganze würzen und es etwa 30 Minuten kochen lassen.
Es sind insgesamt etwa 3 Liter geworden. Ich habe einiges davon eingekocht. Das geht am besten in einem speziellen Einkochtopf, da ich sowas aber nciht besitze, habe ich das im Ofen gemacht. Dazu füllt man eine Fettpfanne oder eine Auflaufform etwa 2 cm hoch mit Wasser. Gläser gut reinigen, Deckel 5 Minuten auskochen. Chili in die Gläser füllen (bis 2 cm unter den Rand), Gläser verschließen, in das Wasser stellen und Ofen auf 175°C stellen (nicht vorheizen), die Gläser so lange im Wasser Kochen, bis Blasen darin aufsteigen, dann den Ofen auf 150°C runter stellen und etwa eine Stunde weiter kochen. Danach bei geschlossener Tür und ausgestelltem Ofen abkühlen lassen. Jetzt müssten die Gläser vakuumverschlossen sein und beim Öffnen entweder "plöpp" oder "pfffft" machen. Guten Appetit.
|
| link / |
|
|
| Beschäftigungstherapie » Veganisierung: Grünkohl von Vivian J. Libertine |
12.09.10 @ 04:06:54 |
Es wird häufig behauptet, dass man bestimmte Dinge nicht vegetarisch oder vegan zubereiten kann. Dem ist häufig nicht so. Deshalb gibt es heute ein Rezept für meinen ultimativen vegetarischen oder auch veganen Grünkohl. Die Schwierigkeit ist hier, dass eigentlich Fleisch mitgekocht wird, das dem Ganzen Aroma geben soll. Ansonsten würzt man nicht sonderlich viel. Lässt man das Fleisch einfach weg, schmeckt es insgesamt ein wenig... flach. Um das zu verhindern bereite ich meinen Grünkphl folgendermaßen zu:
Zwiebeln schneiden (Würfelchen)
Fett in einem Topf erhitzen (Ich habe einmal Butterschmalz verwendet, heute habe ich aber mit neutralem Pflanzenöl gearbeitet, weil ich vergessen hatte, Butterschmalz zu besorgen. Also wenn man es vegan möchte, geht Pflanzenfett auch, aber es geht schon noch ein bisschen aroma verloren), die Zwiebeln darin anbraten ("glasig").
Grünkohl dazu geben (meiner war tiefgefroren, aber aus dem Glas oder sogar frisch geht natürlich auch).
Etwas Wasser dazu kippen.
Salzen, ein kleines bisschen pfeffern.
Gemüsebrühe dazu geben (würde meine Oma sicher nicht machen, ist ein Grenzfall)
Graupen dazu werfen (1 Esslöffel auf 100-200g Kohl, würde ich sagen), rühren (wichtig!)
Dann kommt Räuchertofu dazu. den kann man, wenn man gerne lange gekochten, wabbeligen Tofu mag, in Stücke schneiden und mit unterrühren. Ich habe den am STück gelassen, weil ich den nicht mitessen möchte. der soll nur das Räucheraroma abgeben.
Jetzt wird die ganze Pampe erstmal gekocht. Und zwar so lange, bis es sich beim probieren nicht mehr roh anfühlt (falls ein Tricorder zur Hand ist, steht die Anzeige dann auf "Er ist tot, Jim!"). das kann schonmal 60-90 Minuten dauern. Nebenbei kann man dann etwa zwei Folgen Star Trek gucken. Oder Dr Who.
Wenn es dann tot ist, kann man es zu Kartoffeln und Tofuwürstchen servieren.
Musik: †S.P.O.C.K. - Dr McCoy†
|
| link / |
|
|
| Beschäftigungstherapie » Satanshirn - Rezept von Vivian J. Libertine |
18.08.10 @ 14:35:04 |
Heute gibt es ein Rezept! nachdem bei Tool schon †die Eier von Satan† zubereitet wurden, wollen wir heute an sein hirn. inspiriert hat mich Folgendes: †Heavy Metal Vegan Cooking†. Es geht also um Seitan. Ich habe zum ersten Mal Seitan selbst gemacht. Entsprechend ist das auch mehr ein Erfahrungsbericht. Für alle, die's nicht wissen: Seitan ist ein "Fleischersatz" auf Basis von WEizeneiweiß (Gluten). Der Vorteil gegenüber Tofu ist, dass es nicht nach soja schmeckt und eine nicht ganz so wabbelige Konsistenz hat. Es schmeckt an sich recht neutral und kann beliebig gewürzt werden. Der Nachteil: es macht unglaublich viel arbeit.
Was braucht man:
Für das Hirn selber:
Weizenmehl (viel, in meinem Fall knapp zwei Kilo. Es darf das billige sein, da alles bis auf das Eiweiß ausgewaschen wird. Und das ist überall gleich)
Wasser (noch mehr)
Für die Würzung was man eben möchte. Ich habeFolgendes genommen:
Eine Zwiebel
drei Knoblauchzehen
Gemüsebrühe
getrocknete Chilischoten (Kleingeschnitten)
Sojasoße
Tomatenmark
Kräuter
Currypulver
Wasser
Außerdem: Gefriebeutel
Aber zunächst zu Mehl und Wasser: Es wird zu einer klebrigen zähen Pampe verrührt. Ich habe da für meine zwei kilo Mehl etwa 1,5l Wasser gebraucht. Zunächst habe ich dafür den Mixer mit Knethaken benutzt und das ganze am ende nochmal mit den Händen durchgeknetet. Noch erinnert es nur wenig an Hirn und würde zumindest in meinen Schädel auch nicht rein passen. Jetzt wird gewartet. in meinem Fall knapp 2 1/2 Stunden. In der Zeit soll sich das Eiweiß irgendwie verbinden.
Jetzt kommt der spaßige Teil! Der Kram muss jetzt ausgewaschen werden. Dazu habe ich ein Geschirrhandtuch in ein Sieeb gelegt und das in eine große Schüssel gehängt. Das ganze jetzt unter fließendem Wasser kneten. Das fühlt sich erstmal so an, als würde man ein Hirn massieren (so stelle ich mir das zumindest vor. Bestimmt ist Hirn fester). Mein Sieb war zu klein, deshalb ist die Pampe in der ersten Zeit die ganze Zeit an dem Seiten übergequollen und musste am Verlassen des Siebes gehindert werden. Aber das Zeug wird ja kleiner, da man an dieser Stelle die Stärke (und alles andere bis auf das Gluten) auswäscht. Das kann schon mal eine Stunde dauern (Oder länger, wie bei mir gesten) und wird wie beim Haare färben so lange gemacht, bis das Wasser klar bleibt. Dann sieht das ganze auch nicht mehr nach gesundem Hirn sondern eher nach Alzheimer oder †Creutzfeldt-Jakob†. Jetzt ausdrücken und dem Gewürzkram zuwenden.
Man könnte nun einfach ein bisschen Sojasoße, Gewürze und Gemüsebrühe zusammenrühren und das Hirn darin kochen. Aber heute mache ich'S richtig: Zwiebel und Knoblauch klein schneiden, anbraten. Currypulver dazu geben, den Geruch genießen. Dann Wasser drauf kippen (wenig, vielleicht 200ml), Chilistücke dazu geben, Gemüsebrühe (relativ viel, ich will damit ja nicht nur das Wasser sondern später auch das Hirn würzen), Kräuter, Sjasoße und Tomatenmark dazu, ein bisschen köcheln lassen. in der Zeit kann das HIrn in faustgroße Stücke zerteilt und auf Gefrierbeutel verteilt werden. Dann in jeden Beutel 2-3 Esslöffel von dem eben hergestellten Satanssud geben. Beutel zuknoten und in einem großen Topf mit Wasser gut eine Stunde köcheln lassen. Dabei wird die Konsistenz nich fester und das Hirn nimmt die Gewürze an.
Hinterher muss das Hirn dann wieder abkühlen und kann danach weiter verarbeitet werden. Zum beispiel gebraten. Oder frittiert. Oder was weiß ich. Man kann es jedenfalls wie Fleisch behandeln (es muss vor dem weiterverarbeiten nochmal gewürzt werden). Einfrieren verträgt es auch angeblich gut.
Mein Satanshirn schmeckt nun wie es soll. Experiment geglückt 
Musik: †Iron Maiden - Number of the Beast†
|
| link / |
|
| |
|
| |
|
|
| Beschäftigungstherapie » Sonic The Hedgehog von Vivian J. Libertine |
12.05.10 @ 00:26:45 |
"The fastest thing alive" - jetzt auch auf meinen T-Shirts!
Ich arbeite derzeit an einer T-Shirt-Reihe zu Figuren aus den Sonic-Spielen.
Mein erstes Werk war Manic, der wenig bekannte Bruder von Sonic (er kam in der Zeichentrickserie "Sonic Underground vor"). Ich habe ihn ehrlich gesagt nur gemalt, weil ich grüne farbe gekauft hatte und nunmal ein grünes Motiv brauchte.

Mein neues Projekt war dann Tails, der Fuchs, für meinen geliebsten Mann . DIesen Prozess habe ich dokumentiert.
Also: Los geht's!
Dies ist die Vorlage:

Um sie auf ein Shirt zu bringen, brauche ich eine Schablone. Die schneide ich aus selbstklebender Buchfolie aus (das Motiv wird am ende ca 32x32 cm groß):


Zunächst möchte jedes Kunstwerk aber skizziert werden:

Die Skizze wird mit einem schwarzen Stift sauber nachgemalt, wie ich nachher auch schneiden möchte:


Dann wird die folie umgedreht, weil ich ja nur die folie brauche und nicht das trägerpapier. Ich kann meine Schnitte besser kontrollieren, wenn ich genau sehen kann, wohin ich schneide. Dadurch, dass ich einen schwarzen Filzstift zum Vorzeichnen benutzt habe, kann ich auch auf der anderen Seite die Linien noch gut genug sehen:

Schneiden:


Fertig geschnitten. Merke: einzelteile (wie hier der Mund) wollen gut aufbewahrt werden.

Jetzt kommt der erste spannende Moment: Die Schablone wird auf den Stoff geklebt. Ohne dass etwas reißt oder dass etwas sich verzieht (an dieser Stelle habe ich den Mund verloren. den musste ich nochmal nachproduzieren):

Und jetzt wird die Farbe aufgetragen:

Erst eine Schicht:

Und dann noch zwei:
[IMG=http://img139.imageshack.us/img139/9110/11052010205.th.jpg][/IMG]
Und jetzt kommt der zweite spannende Moment: Das Abziehen der Schablone. Ich mache das immer solange die Farbe noch nicht ganz trocken ist, weil dann die Oberfläche nicht so leicht reißt. Das macht das Gnaze natürlich ungleich spannender.. Jetzt sehen wir auch, ob irgendwo Farbe unter die Schablone gelaufen ist.

Und wieder habe ich den Mund vergessen:

Zu Guter letzt: das fertige Werk ordentlich hingelegt und mit Mund:
|
| link / |
|
| |
|
|
| Klinikalltag » Rückkehr von Vivian J. Libertine |
31.03.09 @ 16:03:05 |
|
Viele haben mich in den letzten wochen darauf angesprochen, dass der blog irgendwie nicht mehr da war. es gab ihn noch, ich habe ihn lediglich auf vollständig privat gesetzt. es wurde hier auch ncihts geschrieben. das hatte gründe. jetzt bin ich aber wieder hier und schreibe vielleicht auch ab und zu mal wieder was.
|
| link / |
|
| |
|
|
| Beschäftigungstherapie » Der Krebs (IV) von Vivian J. Libertine |
29.01.09 @ 00:10:01 |
| Zitat: |
4.
"Es waren elf Liter", sagte der Bäcker.
"Ich habe einige Liter verloren", entschuldigte sich Théjardin.
"Der Bettkasten ist nicht sehr dicht."
"Er ist nicht rein", fügte der Bäcker hinzu. "es wäre reeller, nur zehn Liter anzurechnen."
"Sie werden allemal elf Liter verkaufen", sagte Jaques.
"Natürlich", sagte der Bäcker. "ABer ich werde ein schlechtes Gewissen dabei haben. Das zählt auch."
"Ich brauche Geld", sagte Jaques. "Seit drei Tagen spiele ich nicht."
"ich habe auch nciht viel Geld", sagte der Bäcker. "Ein Auto mit 29 PS kostet was, und das Personal ruiniert mich."
"Was können Sie mir geben?", fragte Jaques.
"In Gottes Namen", sagte der Bäcker, "ich biete Ihnen drei Francs pro Liter, und für die elf Liter rechne ich Ihnen zehn an."
"Tun sie was", sagte Jaques. "Das ist zu wenig."
"Schön", sagte der Bäcker. "Ich gehe bis 33 Francs, aber es ist Gaunerei."
"Geben Sie her", sagte Jaques.
Der Bäcker zog sechs Siebenfrancsscheine aus der Tasche. "Geben Sie mir neun Francs heraus", sagte er.
"Ich habe nur zehn Francs", sagte Jaques.
"Die tun es auch", sagte der Bäcker.
Er steckte das Geld ein, nahm den Eimer und ging zur Tür.
"Versuchen Sie, noch mehr zu machen", sagte er .
"Nein", sagte Jaques. "Ich habe kein Fieber mehr."
"Macht nix", sagte der Bäcker und verschwand.
Jaques' Hände fuhren zum Kopf zurück , und er fing wieder an, seine deformierten Knochen zu streicheln. Er versuchte, seinen Schädel aufzurichten: Er hätte gern dessen genaues Gewicht gewusst, aber er musste bis zur völligen Genesung warten, und außerdem störte sein Hals.
|
|
| link / |
|
|
| Beschäftigungstherapie » Der Krebs (III) von Vivian J. Libertine |
12.01.09 @ 03:54:06 |
| Zitat: |
3.
Er fuhr aus dem Schlaf. Das Aspirin hatte schweißtreibend gewirkt: da er auf Grund des archimedischen Prinzips ein dem Volumen des verdrängten Schweißes entsprechendes Gewicht verloren hatte, schwebte sein Körper samt Decke und Laken über der Matratze, und der so entstandene Luftzug kräuselte die Schweißfläche, auf der er schwamm; kleine Wellen schlugen an seine Hüften. Er zog den Stöpsel aus der Matratze, und der Schweiß floß in den Bettkasten. Sein Körper senkte sich langsam und legte sich wieder auf das wie ein Dampfpferd rauchende Laken. Der Schweiß hinterließ einen klebrigen Bodensatz, auf dem er bei seinen Versuchen, sich aufzurichten und auf's Kopfkissen zu stützen, ausrutschte. Sein Kopf fing wieder ganz leise an, zu vibrieren, Mühlsteine bildeten sich hinter dem Gehirn und begannen, die Substanzen zu mahlen, die noch immer im Leeren seines Schädels herumgingen. Er hob sachte die Hände und betastete vorsichtig seinen Kopf. Er fühlte die Verformung. Seine Finger tasteten sich vopm Hinterkopf an die Schläfen, kehrten am Ende zu den Kieferknochen zurück, die unter dem Druck gleich nachgaben. Jaques Théjardin hätte gerne die genaue Form seines Schädels gekannt.
Manche sind im Profil so hübsch, so ausgeglichen, so rund. Während seiner Krankheit im vorigen Jahr hatte er sich röntegen lassen, und alle Frauen, denen er die Aufnahme gezeigt hatte, hatte er mühelos zu Geliebten machen können. Diese Dehnung nach hinten und diese Schwellung der Scheitelbeine beunruhigten ihn freilich. Ob vielleicht die Trübsal-Flötse... Seine Hände kehrten zum Hinterkopf zurück, rasteten ein auf dem Halswirbel, dessen Kugelgelenk geräuschlos, aber nicht ohne Beschwernis funktionierte. Mit einem Seufzer ließ er erschöpft seine Arme zurückfallen und baute sich, indem er den Hintern schnell nach links und rechts schob, eine bequeme Kuhle in der zarten, gerade erstarrenden Kruste. Er wagte kaum , sich zu rühren, denn wenn er sich auf seinen rechten Arm stützte, schwappte der Schweiß im Bettkasten sofort von links nach rechts, brachte das Bett aus dem Gleichgewicht und zwang ihn , den breiten, ungebleichten Leinen, der seiner Aufgabe kaum gerecht werden konnte, um die Lenden zu schnallen. Stützte er sich auf den anderen Arm, kippte das Bett ganz um, und der Mieter unter ihm klopfte an die Decke, mit dem Stiel einer Hammelkeule, deren Geruch dann durch die Bodenritzen drang und Théjardin s Kof in Wallung brachte. Er wollte den Bettkasten nicht auf den Fußboden auslaufen lassen. Der Bäcker an der Ecke zahlte ihm einen anständigen Preis für seinen Schweiß: Er würde ihn in Flaschen abfüllen, ein Etikett mit "Schweiß deines Angesichts" draufkleben, und die Leute würden ihn kaufen, um dieses zu 99% aus Senatsbeständen verbrannte Brot essen zu können.
"Ich huste weniger", dachte er.
Seine Brust ging gleichmäßig, und das Geräusch seiner Lungen war nicht mehr zu hören. Vorsichtig streckte er den linken Arm aus und nahm die Flötse, die auf dem Stuhl neben dem Bett lag. Er bettete sie neben sich, dann fuhren seine Hände wieder zum Kopf, tasteten vom Hinterkopf zu den geschwollenen Scheitelbeinen, berührten die Stirn und folgten der scharfen Kante seiner Augenhöhlen.
|
|
| link / |
|
|
| Beschäftigungstherapie » Der Krebs (II) von Vivian J. Libertine |
06.01.09 @ 02:33:26 |
| Zitat: |
2.
Die Treppe gab Laut. Das Geländer vibrierte als Gong auf seinen metallenen Pfosten: Es war sicher die Wirtin, die ihm Lindenblütentee brachte. Auf die Dauer verstopft Lindenblütentee die Prostata, aber Jaques Théjardin trank ihn nicht oft, und er würde wohl um die Operation herumkommen. Noch eine Etage. Eine schöne, dicke Fünfunddreißigerin, deren Mann sich sofort nach der Rückkehr aus mehrmonatiger deutscher Kriegsgefangenschaft als Stacheldrahtsetzer niedergelassen hatte, denn jetzt war er an der Reihe, die anderen einzusperren. Er zäunte von morgens bis abends in der Provinz Kühe ein und gab selten ein Lebenszeichen von sich. Ohne zu klopfen, kam sie herein und lächelte Jaques groß an. Sie hielt einen kleinen blauen Keramiktopf und eine Tasse, die sie auf den Nachttisch stellte. Als sie sich bückte, um die Kopfkissen in Ordnung zu bringen, klaffte ihr Morgenrock über dem Moosschatten, und Jaques nahm die heftige Witterung ihres bärtigen Mysteriums auf. Er blinzelte, denn der Geruch schlug ihm ins Gesicht und deutete mit dem Finger auf die beanstandete Stelle.
"EntschuldigenSie", sagte er, "aber..."
Er unterbrach sich, von einem heftigen Hustenanfall geschüttelt. Verständnislosrieb sich die Wirtin den Unterleib.
"Ihr... Ihr... Ding", sagte er schließlich.
Um Jaques zum Lachen zu bringen, faßte sie die heitere Sache mit beiden Händen und imitierte das Geräusch einer Ente im Modder; schloss aber, um Jaques nicht zum Husten zu reizen, schnell wieder den Morgenrock. Ein schwaches Lächeln entspannte das Gesicht des Jungen.
"Normalerweise", erklärte er zu seiner Entschuldigung, "mag ich das ganz gerne, aber ich habe den Kopf schon voll von Geräuschen, Tönen, Gerüchen..."
"Soll ich Ihnen Tee eingießen?", schlug sie müttlerlich vor.
Als sie die Hände vom Morgenrock nahm, um ihm zu trinken zu geben, ging er von neuem auf: Jaques neckte das Tierchen mit dem Löffel, und schwupp, war der letztere geschnappt. Er lachte so laut, dass es ihm die Brust zerriss. Zusammengekrümmt, am Ersticken, spürte er nicht einmal die sanften und schnellen Schläge, die ihm die Wirtin auf den Rücken verabfolgte, damit er zu husten aufhöre.
"Ich bin ein Vieh", sagte sie und haderte mit sich, weil sie ihn zum Lachen gebracht hatte. "Ich sollte daran denken, dass Ihnen nicht zum Scherzen ist."
Sie gab ihm den Löffel zurück und hielt ihm die Tasse, während er in kleinen Schlucken den Lindenblütentee mit Wildgeschmack trank und gleichzeitig umrührte, um schneller den Zucker zu lösen. Er nahm zwei Aspirintabletten.
"Danke", sagte er, "ich werde jetzt versuchen, zu schlafen."
"Ich bringe Ihnen noch mehr Lindenblütentee hoch", sagte die Wirtin und stülpte Tasse und Keramiktopf ineinander, um sie bequemer forttragen zu können |
|
| link / |
|
|
| Beschäftigungstherapie » Der Krebs von Vivian J. Libertine |
03.01.09 @ 02:10:41 |
Heute muss ich einen Text mit euch teilen. Der Text ist von dem von mir sehr verehrten Boris Vian und trägt den Titel "der Krebs"
| Zitat: |
1. Jaues Théjardin lag krank im Bett. Beim Trübsalblasen hatte er in tückischem Gegenzug gestanden und sich die Schneebezeh geholt. Das Kammermusikorchester, dem er angehörte, hatte sich nämlich bereit gefunden - die Zeiten waren schwer - in einem einfachen Korridor aufzutreten; wollte es den musikern derart auch gelingen, den unfreundlichen Zeiten zum Trotz zu überleben, so war doch ihre Gesundheit häufig gefährdet. Jaques Théjardin fühlte sich nicht wohl. sein Kopf hatte sich einseitig verformt, und sein Gehirn machte die Bewegung nicht mit; so drangen in die entstehende Leere nach und nach Fremdkörper ein, parasitäre Gedanken und, schlimmer, schwarfe Schmerzsplitter, die ihn überfluteten wie Flüssiges, etwa angespitzte Borsäure. Manchmal hustete Jaques Théjardin, die Fremdkörper prallten gegen seine Schädeldeckeund schlugen plötzlich wie Badewannenwellenan der Wölbung hoch, um mit dem Knirschen zertretener Heuschrecken wieder zurückzufallen. Hier und da platzte eine Blase und kleine weißliche Emanationen, weich wie das Innere einer Spinne, schmückten das Knochengewölbe mit Sternen, die aber von der Strömung sofort wieder davongetragen wurden. Nach jedem Anfall lauerte Jaques Théjardin ängstlich auf den Moment, wo er von Neuem husten müsste, und zu diesem Zweck zählteer die Sekunden nach einer Sanduhr mit Gradmesser auf dem Nachttisch. Der Gedanke, nicht wie sonst Flötse üben zu können, quälte ihn: seine Lippen würden weich werden, die FInger nicht platt bleiben, und er würde von vorn anfangen müssen. Die Trübsalsflüötse fordert von ihren Adepten fürchterliche Entschlossenheit, denn sie lernt sich äußerst schwer, aber das wenige, was man gelernt hat, vergisst man sehr schnell. In seinem Kopf repetierte er den Rhythmus der 18. sinfonischen Folgen in B-Dur, die er gerade einstudierte, und die Triller des 56. und 57. Taktes verstärkten seinen Schmerz. Er fühlte den Hustenanfall kommen und hielt die Hand vor den Mund, um seinen Teil zurückzuhalten. Der Husten würgte, blähte sich in der Luftröhre und schoss in dickem Strahl heraus. Jaques Théjardins Gesicht wurde puterrot und seine Augen füllten sich mit Blut. Er wischte sie mit einem Taschentuchzipfel, einem roten, damit es keine Flecken gab.
|
|
| link / |
|
| |
|
|
| Beschäftigungstherapie » 5 sterne minimal von Vivian J. Libertine |
14.12.08 @ 15:09:42 |
gestern sagte man mir ich müsse eine zeitmaschine haben, die mich später wieder in die 80er zurück bringt. und man verglich mich mit robert smith. aber das lag sicherlich alles nicht an dem, was ich heute präsentieren möchte. denn: ich habe wieder genäht.zuerst einmal ein rock, den ich als vorversuch für die hose für meinen liebsten genäht habe, der mir aber leider zu eng war. udn was mir zu eng ist, passt der liebenswerten ricarda (was mir zu weit ist mach ich enger). hier ist er. dazu trägt sie wieder das oberteil, was ich schon beim letzten mal präsentierte.

und hier bin ich, mit einem aus einer hose gemachten rock und einem selbstgenähten oberteil (leider ist das foto etwas dunkel geworden):

musik: †einstürzende neubauten - was ist ist†
|
| link / |
|
|
| Beschäftigungstherapie » genähtes von Vivian J. Libertine |
09.12.08 @ 16:37:19 |
jetzt endlich erfahrt ihr, warum ich in der letzten zeit quasi nicht mehr blogge und auch nciht mehr zeichne und sonstwas. das hat mitnichten was mit der uni zu tun. das hat auch nicht nur mit meinem geliebten herrn gemahl zu tun. nein, ich habe mir ja eine nähmaschine gekauft und nähe jetzt ganz viel. hier präsentiere ich euch einmal zwei stücke:
erstmal die tabaktasche "queen of england" für die liebenswürdige ricarda:

und ebenfalls für ricarda war dieses oberteil:

(bitte entschuldigt die schlechte qualität der bilder... handykamera )
|
| link / |
|
| |
|
| |
|
|
| Klinikalltag » white wedding II von Vivian J. Libertine |
13.09.08 @ 22:35:18 |
ich habe im augenblick nichts von meinem mann. was macht man da? richtig: hochzeitsvorbereitungen. schließlich wollen wir am 21.12. heiraten und es ist noch nichts getan. ok. es wird wohl nicht dieser 21.12. werden, aber trotzdem. ich will mein hochzeitskleid selber nähen und nun ist die frage: welcher stil?
soll es a: die klassische märchenhochzeit werden?

b: etwas natürlich-elegantes?

oder c: doch morticia addams?

helft mir!
musik: †sisters of mercy - temple of love†
|
| link / |
|
| |
|
|
|
Berggasse 19 †
Medikamentenausgabe †
Krankengeschichte †
Besuchszeiten †
Aktenschrank †
Gruppenfoto †
Schubladen †
Verstecken †
Einblicke †
Klinikambulanz †
Therapieplan °
Beschäftigungstherapie *
-- Esoterik-Ecke *
Klinikalltag *
-- Morgenrunde *
F20.0: Paranoide Schizophrenie *
F30.0: Hypomanie *
F32.1 Mittelgradige depressive Episode *
Zwangseinweisung †
14310 Patienten †
4 Stationär °
14 Langzeit °
2 Besucher †
Verlegung °
Hexchen †
GEEK1 †
Thesion †
Betreiber °

| Mai 2012 |
| Mo |
Di |
Mi |
Do |
Fr |
Sa |
So |
| |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
| 7 |
8 |
9 |
10 |
11 |
12 |
13 |
| 14 |
15 |
16 |
17 |
18 |
19 |
20 |
| 21 |
22 |
23 |
24 |
25 |
26 |
27 |
| 28 |
29 |
30 |
31 |
|
|
|
| « |
Aktuell |
» |
|